Die 10 Stufen auf dem Weg der Kampfkunst

kampfsport-baumwollfaust-mannheim

Die 10 Stufen auf dem Weg der Kampfkunst

von Hong De


1. Der Suchende
Der Schüler sucht die vermeintlich „beste“ Kampfkunst. Hier vergleicht der Suchende sehr oberflächlich, orientiert sich an populären Meinungen aus Medien und Umgebung, auf der Suche nach dem „stärksten und überlegensten Stil“.

2. Der Kompromiss
Der Suchende hat mittlerweile eine Schule gefunden, die seinen persönlichen Kriterien, wie Stil, Preis und Entfernung entspricht. Ist aber eigentlich mit dem nicht zufrieden, denn wäre es um Längen besser, wenn sein Meister ein alter Chinese mit Bart wäre, oder wenn er in seiner MMA Schule von einem UFC Fighter Unterricht bekäme. Er kann die Situation aber nicht ändern, denn eine größere Entfernung oder mehr Geld möchte er keinesfalls investieren. Also geht er wohl oder übel diesen Kompromiss ein.

3. Der Selbstbewusste
Der Kompromiss ist er mittlerweile vor 3 – 6 Monate eingegangen worden. Dank regelmäßigem Training kommen auch schon sichtbare Erfolge. Seine bisherige Entwicklung verläuft konstant linear nach oben, ist aber im Großen und Ganzen noch ziemlich weit am Anfang. Sein Selbstvertrauen ist größer als der höchste Wolkenkratzer. Das Training steigt ihm zu Kopf, denn er bildet sich ein, jede gelernte „Technik“ bereits in einer realen Konfliktsituation anwenden zu können.

4. Der Großmeister
Der selbstbewusste Schüler trainiert mittlerweile 6 – 12 Monate zwar regelmäßig, aber dennoch setzt er nach wie vor, seine Prioritäten auf seine Freizeit und Spaß mit Freunden. Der Lehrer oder Trainer hat ihn ein paar Mal schon gelobt und im Training schauen schon einige Neulinge zu ihm auf. Er erklärt lang und breit, Sachen die er selbst nicht wirklich verstanden hat, verbessert ständig und völlig unnötig Jüngere, hört sich gerne selbst reden und spielt sich im Freundeskreis auf, als wäre er etwas Besseres.

5. Der Fall
Hochmut kommt vor Fall, das wird ihm schlagartig bewusst, wenn seine Traumwelt, die er sich zusammen gesponnen hatte, wie eine Seifenblase zerplatzt. Er konnte sich entweder in einer realen Kampfsituation nicht behaupten, hat er in einem sportlichen Wettstreit einen Kampf verloren oder wurde ernsthaft krank. Hier endet der Weg für die meisten jungen Helden, denn sie schieben die Schuld aus Bequemlichkeit auf den Trainer des Stils, oder auf die Schule. Der echte Kämpfer aber, steht auf und macht weiter, denn er realisiert langsam – dass er bisher noch überhaupt nichts gelernt hat…

6. Der engagierte Schüler
Jetzt ist der Schüler bereit zu lernen, sein Geist wurde geläutert, sein Geist empfänglich und wissbegierig – Ein leeres Gefäß welches gefüllt werden möchte. Sein Training beginnt jetzt erst, vorher war es Zeitvertreib, jetzt oberste Priorität. Kein Weg ist mehr zu weit, kein Beitrag zu hoch. Alles dreht sich ausschließlich um die Entwicklung seiner Fertigkeiten, alles was ihn ablenkt oder vom Weg abbringt, meidet er. Er sucht seine Grenzen und will sie ständig erweitern, der Schmerz wird ab jetzt zu seinem besten Freund, denn er verbindet ihn mit Fortschritt.

7. Der Ausdauernde
Der engagierte Schüler trainiert mittlerweile schon zwischen 3 – 6 Jahren, seine Kampfkunst ist gut, und die Bewegungen werden allmählich zu einem Teil von ihm. Er träumt nachts sogar vom Gelernten und es entwickeln sich neue eigene Bewegungsmuster, die perfekt zu seinem Körpertyp passen. Umso weiter er kommt, desto schwächer fühlt er sich. Immer wenn er eine neue Stufe entwickelt hat, öffnen sich 10 neue Wege. Er fühlt sich erschlagen unter dem Druck, aber denkt nicht mal daran aufzugeben.

8. Der Lehrer
Der ausdauernde Schüler ist mittlerweile so gut, dass viele zu ihm aufschauen. Sie respektieren seine Disziplin und bewundern seine Fähigkeiten. Er unterrichtet auch schon einige Neulinge und macht seine Aufgabe mit vollem Elan. Durch das Lehren, gewinnt er viele neue und tiefgreifende Erkenntnisse. Er selbst weiß, dass er zwar einige Dinge beherrscht und verstanden hat, ist aber mit seiner Stufe noch lange nicht zufrieden. Er sieht noch so viele Schwächen und es scheint, als würde er das Niveau des Meisters oder Trainers, niemals erreichen.

9. Der Zweifler
Der Lehrer, der eigentlich noch Schüler ist, hört seit Jahren aus seinem Verwandten und Bekannten Kreis, die sich alle auf Stufe 1 oder darunter befinden, er solle doch endlich den Blödsinn lassen, was normales machen, ein bisschen feiern gehen kann nicht schaden, man lebt nur einmal, sich auf den Beruf konzentrieren oder endlich mal einen Partner für Leben finden. Seine letzten Kraftreserven werden allmählich aufgebraucht und er beginnt das erste Mal seit Stufe 5, an seinem Weg zu zweifeln. Er hat den Wunsch „normal“ zu sein und zu vergessen. Er wünscht sich das schöne leichte Leben von denen, die er insgeheim immer nur belächelt hat. Hier endet der Weg für die meisten Schüler, sie werden entweder sehr sprunghaft in der Hoffnung, wer alles macht kann auch alles oder schließen mit der Kampfkunst ab und werden mit der Zeit verbittert und unzufrieden. Ein kleiner Prozentsatz bewahrt Ruhe und kann sehr deutlich den Prozess als Ganzes erkennen, ignoriert erneut die Stimme des „Teufels“ und holt das letzte bisschen Kraft, welches ihm zu Verfügung steht aus sich raus und macht weiter.

10. Der Meister
12 – 30 Jahre sind nun vergangen, der Zweifler bereut seine Entscheidung nicht. Sein Unterbewusstsein ist voll von verknüpften Techniken, er weiß genau, was er tut, versteht die Theorie, bis ins letzte Detail. Obwohl er seine Ruhe möchte und immer nur weiter trainieren möchte, folgen ihm hunderte von Menschen. Die Menschen in seiner Umgebung, welche ihn belehrten und aufforderten seinen Weg zu stoppen und „normal“ zu sein, fragen ihn nun um Rat und schätzen seine Persönlichkeit. Wenn er durch die Straßen läuft, wird er von seinem gesamtem Umfeld als extrem auffallend empfunden. Seine Präsenz ist so stark, dass sich dem niemand entziehen kann. Das Ziel mit dem er die Kampfkunst startete “ die beste Kampfkunst zu lernen “ ist längst verblasst, er lacht darüber, denn er weiß das diese 10 Stufen mit jeder Kampfkunst, welche tiefen Inhalt besitzt, erreichbar gewesen wäre. Er vergleicht nicht mehr, er schaut auf sich – nach Innen sehr selbstkritisch, legt den schwarzen Gürtel ab und reißt das Haus ab, welches er mühevoll über Jahrzehnte aufgebaut hat und beginnt von Neuem, mit tieferem Verständnis ohne etwas erreichen zu wollen. Nur der Liebe zur Kampfkunst wegen…. denn diese schenkt seinem Leben Kraft, Gesundheit, Demut, Intelligenz, Tiefe und Frieden.

Teile es mit deinen Freunden!
Voltastraße 19 -21 in Mannheim